Ernährung

Freie Radikale – Rostige Zellen arbeiten nicht! – Teil II

Heute präsentiere ich euch den Zweiten von insgesamt drei Teilen dieser kleinen Artikel-Serie. Da alle Artikel aufeinander aufbauen, solltest du auch unbedingt Teil I gelesen haben. Falls noch nicht geschehen, kannst du das hier nachholen.

Diesmal wirst du folgendes lernen:

– Wie der Körper selbst seinen Radikalen-Haushalt in Balance hält.

– Welche Waffen ihm dafür zur Verfügung stehen.

– Welche Ressourcen er dazu braucht.

– Und welche biochemischen Prozesse dabei ablaufen.

Natürlich in gewohnt verständlicher Sprache geschrieben. Und schon geht es los!

Freie Radikale – Rostige Zellen arbeiten nicht! – Teil II

Eine Waage unterscheidet nicht zwischen Gold und Blei

Dein Körper strebt immer nach einem Zustand der sich Homöostase nennt. Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt Gleichgewicht.

Stell dir eine Balkenwaage vor: Sobald auf einer Seite etwas hinzukommt oder weggenommen wird, neigt sich die Waage in eine Richtung. Im Sinne des Körpers bedeutet diese Neigung Gefahr. Das kann zum Beispiel ein Energiemangel sein (Diät), eine Verletzung oder das Eindringen von Krankheitserregern. Aber auch ein zuviel an freien Radikalen stört das Gleichgewicht.

Homoöstase

Die Homoöstase ist ein körperliches Gleichgewicht: Es gibt zwar Spielräume, doch wenn eine Seite überwiegt, gerät das System ausser Kontrolle.

Entweder leitet dein Körper nun Gegenmaßnahmen ein, um wieder Herr der Lage zu werden oder er stirbt früher oder später an den Folgen. Erinnerst du dich noch an den wütenden Radikalen-Mob aus Teil I? Sehr gut! Schauen wir mal, wie sich der Organismus dagegen wehrt.

Die Lösung sollte den Meisten klar sein: mit Antioxidantien. Aber was ist das überhaupt… ein Antioxidans? Kann man das essen? Ja, tatsächlich… die kann man essen! Direkt und sogar indirekt.

Lass uns erst einmal über die Wirkung der Antixodiantien sprechen – es sind insgesamt 3 Aufgabengebiete:

  1. Das Einfangen von freien Radikalen, indem der antioxidative Stoff die kettenartige Neubildung durch die Synthese stabiler Radikale unterbricht. Auf deutsch: Das Antioxidans gibt dem freien Radikal so viele Elektronen, bis es wieder stabil und damit neutralisiert ist.
  2. Das Verhindern der Entstehung von freien Radikalen. Hier gibt sich das Antioxidans der Oxidation hin und opfert sich somit zum Schutz der für den Körper wichtigeren Stoffe. Dramatisch oder?
  3. Das Unterstützen anderer Antioxidantien. Diese Gruppe nennt man dann Antioxidationssynergisten. Sie helfen ihren Geschwistern bei den vorgenannten Aufgaben und können diese sogar regenerieren.

Es gibt unzählige verschiedene antioxidative Stoffe und eine ganze Menge an Unterscheidungsmöglichkeiten.

In meiner Artikelserie möchte ich die Einteilung zwischen exogen – das bedeutet von außen zugeführt -und endogen – das bedeutet von innen heraus – vornehmen. Letztere wollen wir jetzt noch näher beleuchten.

Körpereigene Antioxidantien

Freie Radikale Vs. Antioxidantien

Ein ewiger Kampf des Lebens: Freie Radikale werden von Antioxidantien in Schach gehalten. Der menschliche Körper verfügt über eigene „Abwehrsysteme.“

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft kennen wir folgende körpereigene Antioxidantien:

– Gluthation

– Gluthation-Peroxidase

– Katalasen

– Superoxid-Dismutasen

Wie eine Sicherheitstruppe, so verfügt jede einzelne Zelle über eine private Einheit dieser Enzyme (beziehungsweise Tripeptide) und kann diese bei Bedarf losschicken, um die Radikal-Terroristen unschädlich zu machen. Zumindest sollte das im Idealfall so aussehen.

Für die Produktion und Funktion benötigen wir eine ganze Reihe an Nährstoffen, darunter vor allem Glutaminsäure, Cystein, Glycin, Zink, Selen, Eisen, Kupfer und Mangan…und wahrscheinlich noch viele weitere. Hier kommst du ins Spiel: Eine naturbelassene, vitalstoffreiche Ernährung und ein gesunder Lebensstil bildet die Basis einer optimalen Versorgung.

Alle aufgezählten Substanzen kannst du übrigens bei deinem Hausarzt im Blut messen lassen. Sollte dir etwas fehlen, dann macht ein gezieltes auffüllen Sinn. Supplemente sind dafür nicht notwendig, aber durchaus eine sichere und bequeme Methode.

Glutathion

Chemische Strukturformel von Glutathion, dem stärksten körpereigenen Antioxidans.

Die wahrscheinlich wichtigste Substanz von den oben genannten ist das Glutathion. Es wird in der Leber aus den Aminosäuren Glutamin, Glycin und Cystein gebildet, außerdem noch aus Harnsäure und dem Hormon Melatonin. Noch ist nicht ganz klar, ob Cystein oder Glycin den limitierenden Faktor bei der Synthese darstellt.

Glutathion gehört übrigens zu den Tripeptiden, weil es lediglich aus den der oben genannten Aminosäuren besteht. Außerdem verfügt der Körper über ein ausgeklügeltes Recycling-System, um bereits verbrauchtes Glutathion zurückzugewinnen. Hier kommt ein Antioxidationssynergist ins Spiel – du erinnerst dich hoffentlich? Es ist ein selenabhängiges Enzym und stellt quasi den Arzt der Truppe dar.

Das ist alles gut zu wissen, aber ihr wollt bestimmt ein paar Fakten von mir präsentiert bekommen. Also, was kann Glutathion denn nun konkret für dich tun?

– Lebenserwartung erhöhen [1]

– Steigerung der Spermienqualität [2]

– Lebergesundheit verbessern [3]

– Lungengesundheit verbessern [4]

– neurodegenerativen Erkrankungen verbessern oder verhindern [5] [6]

– Immunsystem verbessern [7]

Ich weiß, dass Muskelaufbau und Fettverbrennung nicht dabei sind, aber bedenke: Es gibt im Leben mehr als nur Muskeln – z.B. Gesundheit. Hier gilt der eherne Grundsatz: Wer krank ist, im Krankenhaus liegt oder dem es anderweitig an Gesundheit mangelt, der kann weder vernünftig trainieren, noch optimal Muskulatur aufbauen

Es ist nur natürlich, dass du dich als geneigter Leser nun fragst: Wie kann ich eigentlich meinen Glutathionspiegel erhöhen?

Glutathionspiegel: Kann man ihn erhöhen?

Supplemente zur Steigerung des Glutathion-Spiegels

Tatsächlich kann man Glutathion direkt oral supplementieren und – was noch phänomenaler ist – es kommt auch sogar in der Zelle an, wie eine relativ neue Studie bewiesen hat. Ein Gramm Glutathion pro Tag, über sechs Monate eingenommen, erhöht die Konzentration im Blut um bis zu 35%. [8]

Ich persönlich empfehle trotzdem: Zuerst den Körper mit den notwendigen Bausteinen versorgen um eine optimale körpereigene Versorgung sicherzustellen. Vor allem die Einnahme von Acetyl-L-Cystein hat sich hier bewährt, aber auch Glycin und Glutamin sind zielführend, da alle 3 elementare Bausteine für Glutathion sind. Außerdem macht es Sinn seine Blutwerte in Ordnung zu bringen, damit das mit dem recyceln auch richtig funktioniert – dafür bedarf es allerdings eines „Check“ beim Onkel Doc. Eine umfassende Analyse relevanter Blutwerte muss oftmals aus der eigenen Tasche bezahlt werden (da z.B. ein „kleines Blutbild“ oft nicht ausreich“).

Ein letzter Geheimtipp: Alpha-Liponsäure ist nicht nur ein hervorragendes Antioxidans und Mittel zur Blutzuckerregulation, sondern regeneriert sehr effektiv Glutathion [9].

ORAC-Werte in Lebensmitteln

Der ORAC-Wert („Oxygen Radical Absorbance Capacity“) gibt den Gehalt an Antioxidantien (und ihrer Stärker) diverser Lebensmittel an. Diese Produkte sind besondes reich an Radikalfängern („Antixodantien“) und sollten daher öfter auf deiner Speisekarte stehen.

Happy End

Antioxidans Alpha LiponsäureSo könnte unsere Geschichte also enden: Der Tumult aus ausgebrochenen Sklaven randaliert in unseren Zellen, so richtig mit Fackeln und Mistgabeln. Die Kraftwerke schlagen Alarm, dass zahlreiche Sklaven ausgebrochen sind und die Lage nicht mehr unter Kontrolle ist. Gut organisierte Sicherheitskräfte rücken aus um sich der Sache anzunehmen.

Eine Gruppe bewacht wichtige Personen und Zivilisten, damit diese keinen Schaden nehmen können, eine andere verriegelt die Umgebung, damit sich nicht noch mehr Rebellen dem Aufstand anschließen können.

Die größte Gruppe aber besteht aus Jägern und greift den Aufstand direkt an. Sie prügeln Radikale nieder, stabilisieren die Lage wieder und führen die Gefangenen ab. Da natürlich kein Soldat zurückgelassen wird, werden die Verletzten umgehend von Feldsanitätern behandelt um möglichst bald wieder einsatzbereit zu sein. So sieht der Alltag im Leben eines Antioxidans aus.

Was du heute gelernt hast

  1. Der Körper strebt immer nach Homöostase, dies stellt in gewisser Weise einen Optimalzustand da, bei dem die Waagschalen im Gleichgewicht sind. Eine zu starke Abweichung (nach oben oder nach unten) wird als Gesundheitsgefährdung wahrgenommen.
  2. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Antioxidantien zu kategorisieren, ebenso gibt es mehrere Wirkungsweisen.
  3. Mit den richtigen Bausteinen (Ernährung!) können wir uns unsere eigenen Antioxidantien bauen.
  4. Ein gezieltes einnehmen von Nahrungsergänzungsmitteln ist einem sinnlosen einwerfen deutlich überlegen.
  5. Wunderwerk Mensch verfügt über sehr effektive Abwehrmechanismen. Jeder sollte diese erstmal in Ordnung bringen, bevor man anfängt mit zum Beispiel Mega-Dosierungen von Vitamin C.

 

Unsere Artikel sollen informieren und lehren. Die dargebotenen Informationen sollten nicht als medizinische Ratschläge interpretiert werden. Kontaktiere bitte einen Arzt, bevor du mit der Ergänzung von Nahrungsergänzungsmitteln beginnst oder größere Veränderungen an deiner Ernährung durchführst.


[1] Andersen, HR., et al. (1998): Lower Activity of Superoxide Dismutase and High Activity of Glutathion Reductase in Erythrocytes From Centenarians. In: Age and Ageing. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12675104.

[2] Lenzi A., et al. (1993): Placebocontrolled, double blind, cross-over trial of glutathione therapy in male infertility. In: Hum Reprod. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8300824.

[3] Chen, Y., et al. (2010): Oral N-acetylcysteine rescues lethality of hepatocyte-specific Gclc-knockout mice, providing a model for hepatic cirrhosis. In: J Hepatol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20810184.

[4] Rahman, I., et al. (2000): Oxidative stress and regulation of glutathione in lung inflammation. In: Eur Respir J. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11028671.

[5] Pocernich, CB., et al. (2012): Elevation of glutathione as a therapeutic strategy in Alzheimer disease. In: Biochim Biophys Acta. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22015471.

[6] Smeyne, M., et al. (2013): Glutathione metabolism and Parkinson’s disease. In: Free Radic Biol Med. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23665395.

[7] Bounous, G., et al. (1999): Breakthrough in Cell-Defense: How to Benefit from the Real Glutathione Revolution. In: GOLDENeight Publishers. URL: http://www.amazon.de/Breakthrough-Cell-Defense-Benefit-Glutathione-Revolution/dp/1890412864.

[8] Richie, JP., et al. (2013): Enhanced Glutathione Levels in Blood and Buccal Cells by Oral Glutathione Supplementation. In: The FASEB Journal. URL: http://www.fasebj.org/cgi/content/meeting_abstract/27/1_MeetingAbstracts/862.32.

[9] Kleinkauf-Rocha J., et al. (2013): Lipoic acid increases glutamate uptake, glutamine synthetase activity and glutathione content in C6 astrocyte cell line. In: Int J Dev Neurosci. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23286972.

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