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Joshua Buatsi redet über Rassismus & Repräsentation im Sport

Sport ist ein beliebtes Hobby innerhalb jeder Altersgruppe… aber wer hält in dieser Industrie wirklich die Zügel in der Hand?

Erst kürzlich wurde es wieder zum Thema gemacht, dass sowohl Menschen schwarzer Hautfarbe und als auch die, die einer ethnischen Minderheit angehören (auf Englisch kurz „BAME“ für Black and Minority Ethnic) unterrepräsentiert in Führungspositionen sind.

Auch der Sport ist hier keine Ausnahme – Joshua Buatsi, ein Olympiasieger und Box-Champion, gewährte uns Einblick in diese Thematik und sprach mit uns darüber, wie es ist, ein schwarzer Athlet zu sein. 

Gerade in der jetzigen Zeit ist es für uns wichtiger als je zuvor, dass wir unsere Plattform dazu nutzen, diesen Geschichten und Erfahrungen Gehör zu verschaffen. In dem nachfolgenden Video erfährst du mehr über die Person Joshua Buats. (Hinweis: Das Video ist auf Englisch, der nachfolgende Artikel in Deutsch)

 

Ist Rassismus ein Thema innerhalb des Boxens?

Im Boxen und auch bei anderen Sportarten ist Sieg oder Niederlage eine klare Sache. Aber unabhängig davon, glaubt Joshua, dass es Bereiche gibt, in denen die Hautfarbe ein Nachteil sein kann.

„Ich kann mir vorstellen, dass sich mir als Athlet oder Boxer aufgrund meiner Hautfarbe bestimmte Möglichkeiten nicht eröffnen würden, wenn ich mir dessen nicht bewusst wäre.“ 

Ihm ist aufgefallen, dass es zwar durchaus schwarze Boxer gibt, diese jedoch meistens keine Führungspositionen einnehmen.

„Hinter all diesen wichtigen Organisationen, steht da eine schwarze Person, die eine tragende Rolle einnimmt? Die Antwort lautet Nein.“ 

Er als Sportler hofft natürlich, dass die Kämpfe fair bewertet werden, wenn der Sieger einmal nicht eindeutig feststeht.

„Sieht man einen Kampf lediglich als das Aufeinandertreffen zweier Boxer, so sollte es klar sein, dass fair bewertet wird. Manchmal ist es jedoch nicht so klar.“ 

 

Wie sollte der Sport einen positiven Wandel unterstützen?

Sport ist weltweit ein beliebter Zeitvertreib, dessen Einfluss Joshua sich durchaus bewusst ist.

„Bei so vielen Zuschauern und Menschen, die Sport bewegt…da denke ich, dass Sport bereits einen sehr großen Einfluss ausübt.“  

„Viele Sportarten werden von schwarzen Athleten dominiert. Wenn man sich überlegt, welche Summen diese Spieler für ihre jeweiligen Organisationen oder Teams erzielen, fragt man sich, wieso ihre Hautfarbe überhaupt eine Rolle spielt.“ 

Aus diesem Grund ist Joshua der Meinung, dass diese Summen dafür genutzt werden sollten, nicht nur die Athleten zu unterstützen, sondern auch BAME Individuen dabei helfen sollen, in der Sportindustrie Führungspositionen zu übernehmen.

„Eine Möglichkeit, wie der Sport einen Beitrag leisten kann, besteht meines Erachtens darin, dass es Organisationen gibt, die mit jungen schwarzen Menschen arbeiten, die kaum Möglichkeiten haben. Ich rede nicht nur von Kindern, sondern auch von anderen Gruppen, die unterrepräsentiert sind. Es kann viel für diese Menschen getan werden. Auch in Form von Kursen, durch die Perspektiven geschaffen werden oder die zur Weiterbildung dienen.“ 

Von Praktika bis hin zu beruflichen Erfahrungen, Joshua ist überzeugt davon, dass viel getan werden kann, um schwarzen Menschen dabei zu helfen, in allen möglichen Bereichen der Sportindustrie Fuß zu fassen. Außerdem findet er es wichtig, dass auch diejenigen unterstützt werden, die bereits in dieser Branche tätig sind.

„Ein anderes Thema ist das Gehalt – Entscheidet die Hautfarbe darüber, wie gut man bezahlt wird? Diese Frage steht ebenfalls im Raum. Es gibt einiges, worüber man sich Gedanken machen muss.“ 

 

Warum spielt der Sport überhaupt eine so große Rolle innerhalb des sozialen Wandels?

Zwischen Politik und Gesellschaft wird der Sport häufig als neutrale Einheit angesehen. Viele sehen diesen Status als selbstverständlich. Es wird jedoch häufig vergessen, dass auch der Sport von Menschen getragen wird, die, so wie jeder andere auch, ihre eigene Meinung und Erfahrungen haben.

Auf der ganzen Welt ist Sport Teil des Lebens der Menschen und kann so Einfluss nehmen sowie als Quelle der Inspiration dienen. Joshua ist sich dessen bewusst und ist überzeugt, dass Sport einen wichtigen Beitrag leisten kann, um eine Veränderung in der Gesellschaft zu bewirken.

„Ich glaube, dass Sport eine gewaltige Rolle in all dem spielt – wie ich schon sagte, Sport ist eine globale Sprache, die jeder verstehen kann. Wir alle schauen Sport, wir alle sind sportlich aktiv oder sind auf irgendeine Art und Weise beteiligt.“  

Damit diese Veränderung vorangebracht wird, sieht er es als wichtig an, dass Sportler die gleichen Rechte haben, wie jeder andere Mensch auch. Sie sollten in der Lage sein, sich frei gegen Unrechtes aussprechen zu können, ohne mit einer negativen Gegenreaktion rechnen zu müssen.

„Athleten sollten ihre Meinung kundtun dürfen. Das heißt nicht, dass wir alle Politiker sind oder etwas dergleichen. Aber wir sind ebenfalls Menschen und als solche haben wir unsere eigene Meinung.“  

„Nur weil du Sportler bist, heißt das noch lange nicht, dass du keine Ahnung von gesellschaftlichen Themen hast. Athleten fürchten immer, schlecht in der Presse dargestellt zu werden oder eine negative Resonanz von anderen zu erhalten – Das sollte aufhören.“  

 

Wie können wir die Bewegung am Leben erhalten?

Joshua betont, dass dies kein schwieriges Unterfangen sein muss – Am wichtigsten sei es, das Thema nicht aus den Augen zu verlieren und kontinuierlich darüber zu sprechen.

„Es ist gar nicht so schwer, diese Bewegung weiterhin am Laufen zu halten. Es geht einfach darum, das Bewusstsein weiter zu schärfen, die Menschen immer wieder daran zu erinnern und es immer wieder zu verbreiten. Man muss darüber sprechen und sich weiterbilden – Es ist wichtig, dass es Strategien gibt, um dieses Problem jeder Zeit anzugehen.“ 

Er ist sich auch bewusst, dass dies auch ein fester Grundsatz innerhalb von Unternehmen sein und diese im Zusammenhang mit Rassismus eine Null-Toleranz-Politik vertreten sollten.

„In Unternehmen gibt es Abteilungen für alles – warum nicht auch für Rassismus. Für rassistisches Verhalten sollte es keinen Platz geben, weder auf der Arbeit, noch in anderen Lebensbereichen.“ 

 

Wie kann die Sportindustrie auf dieses Thema aufmerksam machen?

Wo fängt Rassismus an? Dazu herrschen unterschiedliche Meinungen, die davon bestimmt sind, inwieweit man sich über das Thema informiert hat. Damit die Sportindustrie effizient gegen Rassismus vorgehen kann, ist Joshua der Ansicht, dass Rassismus zunächst in all seinen Formen definiert werden und unbedingt das Denken und Handeln der Menschen beeinflussen muss.

„Man muss darauf aufmerksam machen, dass Rassismus in vielen verschiedenen Formen auftreten kann: in Strukturen, Institutionen oder auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Es gibt viele verschiedene Arten von Rassismus. Die Situationen können weniger deutlich, aber auch offensichtlich sein.“ 

„Man braucht eine klare Definition davon, was als rassistisch gilt und muss die Leute darauf aufmerksam machen, sodass es ihnen ins Bewusstsein rückt. Rassismus darf auf keinen Fall zu etwas werden, worüber man nicht spricht. Ich denke, die Sportindustrie kann ihren Beitrag leisten, indem sie das Problem immer wieder deutlich thematisiert und betont.“ 

Zeitgleich geht es darum, dass auch schwarze Menschen die Chance haben, innerhalb der Industrie etwas zu bewegen. Ihre Beteiligung innerhalb von Fitness und Sport ist unbedingt notwendig, wenn Veränderungen bewirkt und Bewusstsein geschaffen werden sollen.

„Auch Schwarze müssen Positionen erreichen, in denen sie einen echten Einfluss auf das Unternehmen nehmen können. Es kann nicht sein, dass dies nur nach außen so scheint. Man denkt sich dann „Ah okay, das scheint ein faires Unternehmen zu sein, in der kein Rassismus herrscht“ Schaut man sich schließlich aber genauer an, wer an den Hebeln sitzt, dann wird dort kein einziger schwarzer Mitarbeiter zu finden sein.“ 

 

Take Home Message

Sowohl innerhalb der Sportindustrie als auch im Rest der Welt, muss noch viel getan werden, um Rassismus zu bekämpfen.

Auf unserer Plattform möchten wir nur selten gehörten Stimmen die Möglichkeit geben, zu sprechen und hoffen, dass somit jeder von uns etwas dazu lernt, nett zu seinen Mitmenschen ist ihnen Unterstützung zukommen lässt.

Wir alle sind daran beteiligt, unsere Welt zu einem faireren Ort zu machen.

 

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Evangeline Howarth

Evangeline Howarth

Autor und Experte

Bereits in jungen Jahren nahm Evangeline im Wettkampfsport teil. Als qualifizierter RYA Beiboot Instructor versteht sie die Wichtigkeit einer vernünftigen Ernährung, um genug Energie im Extrem- und Ausdauersport zu haben, insbesondere aufgrund ihrer Erfahrung in britischen Olympioniken-Team und als Kapitän und Coach ihres Universitätsteams.

In ihrer Freizeit liebt es Evangeline laufen zu gehen - insbesondere Marathon. An Wochenenden praktiziert sie oft Wassersportarten oder genießt das Wandern. Ihre Lieblingsabende verbringt sich mit HIIT Einheiten oder Kniebeugen im Gym, bevor sie gut gewürzte Gerichte mit einer Menge Gemüse isst - yum!

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