Ernährung

Die süße Sünde: Wie soll ich nur die Adventszeit überleben?

Von Alexander Thomas (Thomsannutrition)

Es ist Dezember und wir stehen mittlerweile mitten in der Adventszeit. Das Wetter hier im Süden Deutschlands ist noch nicht sonderlich weihnachtlich, dafür aber die Supermärkte, Cafés und Bäckereien. Bereits seit einigen Wochen ist das Angebot an weihnachtlichen Süßwaren überwältigend: Lebkuchen, Christstollen, Mohnkuchen, Plätzchen, Spekulatius, Zimtsterne, Quarkbällchen, Marzipan u.v.m. versüßen uns diese Jahreszeit – oder auch nicht.

Viele Sportler und Athleten – vor allem im Hobbybereich – sind sehr auf ihre Gesundheit, ihre Ernährung und ihr Training fixiert… wobei die Gesundheit nur der positive Nebeneffekt ist – und meiden Zucker, industriell verarbeitete Produkte oder allgemein „Junkfood“. Den einen oder anderen, vielleicht auch den einen oder anderen mehr wird es geben, der oder die diese Zeit nur mit einer starken Selbstbeherrschung überstehen wird und sich dazu zwingen muss auf Süßes zu verzichten.

In diesem Zusammenhang will ich schon den ersten Denkanstoß geben: Ist das tatsächlich Lebensqualität? Wohl gemerkt ich spreche jetzt von Sportlern, welche sich durch ihr Training fit halten und daher einen entsprechenden Verbrauch produzieren.

Die süße Sünde: Wie soll ich nur die Adventszeit überleben?

Weihnachtsleckereien

Nein, dies ist kein 8-Punkte-Plan, mit welchem du sündigend die Weihnachtszeit überstehen kannst. (Den gibt es bereits hier ;-))

Dieser soll nicht in die Reihe der Tipps und Tricks fallen. Ich werde euch keine Anleitung oder vergleichbares geben. Ich möchte, nein ich werde in den nächsten Zeilen ein paar „philosophische“ Grundgedanken darlegen. Es wird nicht in erster Linie darum gehen, Süßwaren in der Weihnachtszeit zu legitimieren. Nein, auf keinen Fall! Vielmehr sollen euch die Punkte einfach nur zum Nachdenken anregen, euch Anregen euer eigenes Verhalten einmal zu reflektieren.

80/20 statt Perfektionismus – Dieser endet (vielleicht) in einem krankhaften Verhalten

In der Betriebswirtschaftslehre wird unter anderem ein Ansatz gelehrt, nein sagen wir besser diskutiert, der nennt sich „Pareto-Prinzip“. Das Pareto-Prinzip besagt, dass bereits 80% des Ergebnisses mit 20% des Aufwandes erreicht wurden und die restlichen 20% des Ergebnisses 80% des Aufwandes benötigen. Ein interessanter Ansatz und wenn ich meine tägliche Arbeit reflektiere sehe ich deutliche Parallelen. Zumindest kann dieser Grundsatz nicht per se über den Haufen geworfen werden. Merkt euch das für den Moment. Der Bezug, warum ich euch das erzähle folgt später.

Das Streben nach Perfektion: Nicht immer nur positiv

Das Streben nach Perfektion: Nicht immer nur positivEingangs beschriebene Sportler, Athleten oder Hobbyathleten erlebe ich immer wieder mit einer Art schon fast perfektionistischen Verhalten. Jedes einzelne Gramm wird abgewogen damit auch ja die Bilanz am Ende des Tages stimmt und keine Abweichung von 0,1 bis 1% stattfindet.

Ich selbst habe eine ähnliche Phase während und nach meiner ersten Wettkampfvorbereitung 2011 durchgelebt. Ich habe jeden Riegel in meine selbsterstellte Nährwerttabelle aufgenommen, jede Portion auf das Gramm genau abgewogen und irgendwann ein Gefühl für die Realität verloren. Heute behaupte ich: Mein damaliges Essverhalten, der Umgang mit Lebensmitteln ist im Ansatz krankhaft gewesen.

Diese Entwicklung passiert unterschwellig. Man selbst will es nicht realisieren, man sieht es nicht, man selbst will es nicht wahr haben aber es ist da. Ob das nun problematisch, bedenklich ist und in irgendeiner Art eingegriffen werden muss: Das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Doch stellt euch die Frage: Was bringt dieser Perfektionismus?

Hey Leute, klar, Gesundheit ist wichtig, Leistungsfortschritt ebenfalls und jeder will sich in seiner Haut wohlfühlen. Ich erinnere euch aber an das Pareto-Prinzip. Oftmals ist mit einem Bruchteil der investierten Arbeit bereits der größte Fortschritt erzielt und seien wir mal ehrlich: Du willst mit einem niedrigen Körperfettanteil rum laufen.

Sagen wir das Ziel sind 10%. Wen interessiert es ob du nun mit 10 oder 11 bzw. 12% (grob überschlagen sind die 2% Unterschied die fehlenden 20% des Ergebnisses) durch die Gegend läufst? Also mich nicht, aber dein eigener Lifestyle interessiert sich dafür denn die investierte Arbeit in das Halten der 10% tangieren deinen Lifestyle maßgeblich. Natürlich verstehe ich es, wenn du den Anspruch an dich selbst stellst – das will ich an dieser Stelle aber gar nicht thematisieren.

Entschleunigen, um zu Beschleunigen

…und trotzdem: 80/20 ist kein Freifahrtschein für Junkfood!

Wer bis hier das zuvor geschriebene verfolgt hat, der könnte auf die Idee kommen: Hey dann brauch ich ja nur noch 4 statt 5 saubere Mahlzeiten am Tag. Nein, das ist nicht die Message, die ich mit diesem Artikel vermitteln möchte. Ich sage lediglich, dass nichts dagegen spricht sich in Jahreszeiten, wie der Adventszeit, mal ein Stück Kuchen zu gönnen oder auch mal einen Tag Abstand von (engstirnigen) Ernährungsplänen zu nehmen. Sicherlich bist du Sportler und verfolgst Ziele. So lange du aber kein wettkampfambitionierter Leistungssportler bist oder gar Geld damit verdienst, wovon du leben kannst, solltest du dir immer die Frage der Gewichtung deiner Prioritäten stellen.

Wer sich nicht darin wieder sieht, dass er oder sie auf Süßspeisen „verzichten“ muss: Ihr habt einen Vorteil gegenüber allen anderen, denn bei euch ist eure Ernährung zum Lifestyle geworden. Gerade wenn ihr diesen „Zustand“ erreicht habt, ist es zu überdenken, ob abwiegen – ein rigider Ernährungsplan – tatsächlich notwendig ist. Ich ernähre mich beispielsweise nur noch nach einem Ernährungsplan, wenn ich mich tatsächlich aktiv in einer Wettkampfvorbereitung befinde. Das einzige worauf ich bei meinen Mahlzeiten Wert lege: Die Auswahl der Lebensmittel sollte möglichst ausgewogen und sauber sein. 80/20, vielleicht sind das diese 20% Aufwand von denen ich gesprochen habe.

Abschließende Worte

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Abschließend will ich einen letzten Punkt anbringen: Der Körper ist ein hoch interessantes und komplexes Konstrukt. Ich habe durchaus auch schon die Erfahrung gemacht, dass Menschen – trotz sauberer Ernährung und korrektem Ernährungsplan – kaum bis keinen Fortschritt mehr machen. Ich selbst musste die Erfahrung einmal machen.

Eine Theorie: Die Psyche. In vielen Coachings oder Gestaltung von Plänen wird die Psyche außen vor gelassen. Nicht weil sie willentlich ignoriert wird, sondern eher, weil sie kein richtig, objektiv greifbares Konstrukt und damit hochkomplex ist.

Wenn du dir als Hobbysortler das Ziel gesetzt hast mit einem Körperfettanteil von 10% durch die Gegend zu laufen, weil du es geil findest – du aber nicht zu 100% dahinter stehst, hast du schon mal den ersten Fehler begangen. Im Inneren arbeitet dein Kopf, dein Wesen gegen dich, dein Verhalten und deine Entscheidung. Du wirst es vielleicht durchziehen, aber so richtig wohl fühlst du dich dabei nicht. Es mag zu anfangs nicht auffallen, aber wenn du genauer darüber nachdenkst und das ganze hinterfragst, wirst du vielleicht feststellen, wie ganz tief in dir drin Zweifel bestehen.

Kennst du den letzten Rocky-Film? Auch dort beschreibt Rocky irgendetwas, was tief in seinem Bauch steckt – aber er kann es nicht beschreiben. Es kann aber auch sein, dass du einfach zu schnell zu viel auf einmal willst. Und jetzt greift der Ansatz entschleunigen um zu beschleunigen. Es geht darum einmal Pause zu machen, etwas Geschwindigkeit zu reduzieren um im nächsten Atemzug mit noch größerem Erfolg und Fortschritt wieder einzusteigen und auch um die Psyche wieder auf Fahrt zu bringen.

Denn wie beschrieben: Die ist ein solch komplexes Konstrukt, dass nur schwer greifbar ist aber doch einen solch starken Einfluss auf deinen Erfolg oder Nicht-Erfolg hat. In diesem Sinne euch eine schöne Adventszeit – und denk dran: Eat clean, get lean, be strong!

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